Schöpfungszeit – Mirjam am Schilfmeer

Wasser als Ort der Befreiung

Nachdem Israel trockenen Fußes durchs Meer gezogen ist, ergreift eine Frau die Pauke: Mirjam, die Prophetin, führt die Frauen mit Tanz und Gesang an, „Singet dem Herrn, denn er hat sich herrlich erwiesen“ (Ex 15,20-21). Die Bibel nennt sie hier ausdrücklich Prophetin, nicht nur „Schwester des Mose“, ein eigenständiges geistliches Amt, das männlich geprägte Auslegung über Jahrhunderte kleingeredet hat, obwohl der Text selbst es klar benennt.

Mirjams Lied erinnert daran: Wo Gewalt und Bedrohung überwunden werden, ist das kein privates Glück, sondern etwas, das eine Frau öffentlich, laut und mit eigener Autorität besingt. Schöpfungsverantwortung heißt darum auch, Frauen die Räume und die Stimme zurückzugeben, die ihnen in der Überlieferung oft genommen wurden.

Eine Gemeinschaft, die einander vor Gewalt schützt, lebt bereits einen Teil dessen, wofür „lebendiges Wasser“ steht: Leben, das fließen kann, statt erstickt zu werden.

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