Schöpfungszeit – Die Frau am Brunnen

Wasser als Ort der Begegnung

Am Jakobsbrunnen begegnet Jesus einer Frau, die niemand sonst zur Mittagszeit dort erwartet hätte: allein, gemieden, ohne Namen genannt, nur als „die Samariterin“ bekannt (Joh 4). Er bittet sie um Wasser und bietet ihr „lebendiges Wasser“ an, das nie mehr versiegt. Aus der Begegnung wird ein Gespräch auf Augenhöhe, eines der längsten und theologisch dichtesten Gespräche, die Jesus im Neuen Testament führt, und das ausgerechnet mit einer Frau.

Der Brunnen ist damit nicht nur Wasserstelle, sondern Ort der Begegnung, des Erkanntwerdens, der Würde. Warum ist diese Szene am Brunnen für uns so wichtig: Eine namenlose, dreifach ausgegrenzte Frau, als Frau, als Samariterin, als Frau mit einer bewegten Beziehungsgeschichte, wird zur ersten Missionarin des Johannes-Evangeliums. Sie geht in ihre Stadt und verkündet, was sie erfahren hat (Joh 4,28-29). Keine kirchliche Autorität schickt sie, sie ergreift selbst das Wort.

Diese Geschichte ist ein starkes Bild dafür, wie die kfbö „Lebendiges Wasser“ versteht: Wo Frauen Zugang zu Wasser haben, buchstäblich wie im übertragenen Sinn zu Gehör, Anerkennung, Verkündigung, verändert sich mehr als nur ihr Alltag.

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