Heilkunde und Spiritualität: Hildegard als Vordenkerin ganzheitlicher Gesundheit
Sie war Äbtissin, Komponistin, Naturforscherin, Beraterin von Bischöfen und KaiserInnen, und eine der ersten, die Gesundheit als Zusammenspiel von Leib, Seele und Umwelt verstanden. Hildegard von Bingen (1098-1179) prägte den Begriff der viriditas, der „Grünkraft“: jene Lebensenergie, die Menschen, Pflanzen und Schöpfung insgesamt durchströmt und die es zu bewahren gilt.
Für Hildegard war Heilkunde nie nur körperlich gedacht. Ernährung, Bewegung, seelisches Gleichgewicht und geistliches Leben griffen für sie ineinander, eine Ganzheitlichkeit, die heutigen Konzepten von Gesundheit erstaunlich nahekommt, achthundert Jahre bevor der Begriff „Body-Mind-Spirit“ erfunden wurde.
Damit ist Hildegard eine passende Wegbegleiterin mitten in unserem Sommer unter dem Jahresthema „Gesundheit & Spiritualität“: Was die SOST im Juli eröffnet hat, findet in ihrer Vordenkerinnenschaft ein starkes historisches Echo. Ihre Überzeugung, dass Selbstsorge und Weltsorge zusammengehören, ist zugleich die Brücke zur Schöpfungszeit, die sich in diesen Wochen mit Fragen von Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung beschäftigt.
Hildegard von Bingen erinnert uns daran: Wer auf sich selbst achtet, achtet auch auf die Welt um sich herum, und umgekehrt.