Sie war die Erste und wir folgen ihr nach
Zum Hochfest der hl. Maria Magdalena: Was ihre Geschichte bedeutet, warum Südtirol sie nie vergessen hat und was das mit Aida aus Kolumbien zu tun hat.
Wer sie wirklich war
Maria Magdalena hat mehr für das Christentum getan als die meisten männlichen Apostel: Sie blieb. Unter dem Kreuz, am Grab, in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Und Jesus sandte sie, als Erste. „Geh und sag es ihnen.“ Das macht sie zur Apostolin der Apostel, „apostola apostolorum“, ein Titel, den ihr die Theologie des Mittelalters gab, den die kirchliche Praxis ihr aber lange verweigerte.
Papst Gregor I. überschrieb 591 ihre Geschichte: Er verschmolz drei verschiedene Frauenfiguren des Neuen Testaments zu einer einzigen Sünderin. Diese Erfindung prägte 1.400 Jahre lang das Bild Maria Magdalenas, in Kunst, Liturgie und populärem Bewusstsein. Erst 1969 wurde die Gleichsetzung kirchlich aufgegeben. 2016 erhob Papst Franziskus ihren Gedenktag zum Apostelfest. Eine stille Revolution, die noch viel zu wenig Wellen schlägt.
„Maria Magdalena ist kein historisches Kuriosum, sie ist ein Spiegel, den wir der Kirche heute vorhalten. Eine Frau, die als Erste die Auferstehung bezeugte und als Erste gesandt wurde, und die die Institution danach zur Sünderin erklärt hat. Das ist nicht nur Vergangenheit. Das ist ein Muster, das wir in der kfbö jeden Tag benennen.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende kfbö
In Südtirol hat die Volksfrommigkeit das bewahrt, was die Theologie vergessen wollte
Während die offizielle Kirche Maria Magdalena zur Sünderin machte, bewahrte die Volksfrommigkeit Südtirols ihre Größe. Kirchen in Ridnaun, Vilnöß und Viums tragen ihren Namen seit Jahrhunderten und zeigen sie würdevoll: In Viums empfängt sie das Kirchenportal in prächtiger Kleidung, das Salbgefäß in der Hand. Nicht Sünderin. Gesalbte. Sendende.
„Die Frauenreise nach Südtirol ist für uns mehr als Spiritualtourismus. Es ist ein Akt der Wiederaneignung: Wir gehen dorthin, wo Frauen seit Jahrhunderten verehrt wurden und wir fragen laut, warum diese Verehrung bis heute keine Konsequenzen für die Stellung von Frauen in der Kirche hat.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende kfbö
Und wenn ihr nicht mitreisen könnt?
Dann gibt es eine andere Art, in ihrer Tradition zu handeln: Die Aktion Familienfasttag der kfbö unterstützt Frauen weltweit, darunter Aida aus dem kolumbianischen Putumayo, Friedensaktivistin, die heute tun, was Maria Magdalena damals tat: hinausgehen, Zeugnis geben, nicht schweigen.
Mehr über Aida und die Arbeit von SERCOLDES im Putumayo: www.teilen.at
Aktion Familienfasttag unterstützen: www.teilen.at/spenden
Veranstaltungen zum Magdalenenfest: