Ihr Körper ist kein Kriegsschauplatz. Wir sagen es laut, als Kirche, als Frauen, als Gemeinschaft.
Sexuelle Gewalt in Konflikten ist keine Randerscheinung. Sie ist eine der ältesten und wirkungsvollsten Waffen des Krieges und sie richtet sich fast immer gegen Frauen und Mädchen. Am 19. Juni bricht die kfbö das Schweigen.
Der 19. Juni ist kein Gedenktag im üblichen Sinn. Er ist ein Eingeständnis: dass die Weltgemeinschaft weiß, was geschieht und trotzdem zu langsam handelt. Seit 2008 gilt sexuelle Gewalt in Konflikten als Kriegsverbrechen nach internationalem Recht. Seitdem ist wenig besser geworden. In der Ukraine, im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo, in Gaza werden Frauen und Mädchen systematisch als Ziele militärischer Strategie behandelt. Ihr Körper wird zur Botschaft an die Gemeinschaft, der sie angehören.
Was das mit Glauben zu tun hat
Es wäre einfach zu sagen: Das ist ein politisches Thema, kein kirchliches. Aber das stimmt nicht. Die Würde des menschlichen Körpers und besonders des weiblichen Körpers, ist kein Nebensatz in der christlichen Anthropologie. Sie ist zentral.
Wenn Frauen durch sexualisierte Gewalt gebrochen werden sollen, dann wird damit angegriffen, was wir mit dem Begriff Gottebenbildlichkeit meinen: die unantastbare Würde jedes Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religionszugehörigkeit. Eine Kirche, die das ernst nimmt, kann nicht schweigen. Sie muss, am 19. Juni und darüber hinaus, klar sagen: Das ist ein Verbrechen. Nicht ein Unglück. Ein Verbrechen.
Überlebende sind Zeuginnen
Sprache ist Macht. Wie wir über Frauen sprechen, die sexuelle Gewalt in Konflikten erlebt haben, entscheidet mit, ob wir sie stärken oder erneut unsichtbar machen. Die kfbö lehnt eine Sprache ab, die Überlebende auf ihr Trauma reduziert.
Frauen, die sexuelle Gewalt in Kriegen überlebt haben, sind nicht primär Opfer. Sie sind Zeuginnen. Sie wissen, was passiert ist. Sie können benennen, wer verantwortlich ist. Sie fordern Gerechtigkeit. Und sie bauen, trotz allem, ihre Gemeinschaften wieder auf. Ihre Stimme muss gehört werden: in Friedensverhandlungen, vor Gerichten, in der Kirche.
Studien zeigen: Friedensabkommen halten länger und sind stabiler, wenn Frauen, auch Überlebende, aktiv an den Verhandlungen beteiligt sind. Das ist keine Forderung aus dem Lehrbuch. Das sind Daten aus gelebter Geschichte.
Was die Kirche konkret tun kann
Die kfbö richtet konkrete Erwartungen an die Kirche in Österreich:
Erstens: Benennen. Am 19. Juni sollten Pfarren, Diözesen und kirchliche Medien das Thema aufgreifen, ohne Umweg über allgemeine Friedensappelle. Sexuelle Gewalt in Konflikten ist konkret. Sie hat Gesichter, Orte, Täter.
Zweitens: Begleiten. Viele Frauen, die als Geflüchtete nach Österreich kommen, haben sexuelle Gewalt in Konflikten erlebt. Kirchliche Sozialarbeit, Beratungsstellen und Pfarrgemeinschaften können Räume schaffen, in denen diese Frauen sicher sind und gehört werden.
Drittens: Finanzieren. Über teilen.at unterstützt die kfbö Projekte, die Überlebende in ihren Herkunftsregionen begleiten. Jede Spende ist ein Zeichen: Wir sehen euch. Wir lassen euch nicht allein.
Theologie des weiblichen Körpers
Es gibt in der christlichen Tradition eine lange Geschichte der Kontrolle des weiblichen Körpers durch kirchliche Institutionen. Diese Geschichte ist real und muss benannt werden. Aber es gibt auch eine andere Geschichte: die Geschichte von Frauen, die ihren Körper als Ort der Gottesbegegnung verstanden haben. Von Maria, deren Leib den Schöpfer aufgenommen hat. Von den Märtyrerinnen, die ihre körperliche Unversehrtheit um des Glaubens willen riskiert haben. Von den Mystikerinnen, die den Körper nicht als Hindernis, sondern als Medium des Göttlichen erfahren haben.
Diese Tradition sagt: Der weibliche Körper ist heilig. Nicht kontrollierbar, nicht verfügbar, nicht Kriegsbeute. Das ist kein feministischer Zusatz zur Theologie. Das ist ihr Kern.
„Ich schäme mich nicht für das Evangelium; denn es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ (Röm 1,16), Rettung schließt den Körper ein. Immer.
Die kfbö steht an der Seite der Überlebenden, in Gebet, in Solidarität und in konkreter Unterstützung über teilen.at.