Der Muttertag feiert Mutterschaft. Die Mutternacht lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass Mutterschaft für viele Frauen aufgrund ungenügender Gesundheitsversorgung lebensgefährlich ist. Denn wer Mutterschaft wirklich ehren will, kann nicht schweigen, wenn Frauen weltweit bei der Geburt sterben. Nicht aus Schicksal, sondern aus Ungerechtigkeit.
Was ist die Mutternacht?
Die Plattform Mutternacht setzt sich für die Senkung der Müttersterblichkeit ein. Denn
Jährlich sterben rund 289.000 Frauen und Mädchen an Komplikationen während
Schwangerschaft und Geburt, 99 Prozent davon in Ländern des Globalen Südens. Die
meisten dieser Todesfälle wären vermeidbar durch bessere Gesundheitsversorgung,
Bildung und Zugang zu Verhütungsmitteln.
Jedes Jahr findet im Vorfeld des Muttertages eine Veranstaltung in Wien statt,
bewusst als Ergänzung zum Muttertag und als Einladung hinzusehen.
Theologisch gesehen: Leib, Würde, Gerechtigkeit
Der christliche Glaube bekennt: Gott ist Fleisch geworden. Jesus ist durch einen
weiblichen Körper in die Welt gekommen, durch Schwangerschaft und Geburt. Wenn
Frauen beim Gebären sterben, weil ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung
verwehrt bleibt, wird ihre Würde mit Füßen getreten.
Die prophetische Tradition der Bibel kennt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. „Ich will
Gerechtigkeit wie Wasser strömen sehen“ (Amos 5,24), dieser Ruf richtet sich nicht
nur an Einzelpersonen, sondern an Systeme und politische Strukturen, die Leben
ermöglichen oder verhindern. Genau hier setzt die Mutternacht an: Sie benennt
strukturelle Probleme und fordert politisches Handeln.
Warum die kfbö dabei ist
Wir sind Teil der Plattform „Mutternacht“ und bringen unsere Perspektive für globale
Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen in die Initiative ein. Das ist für uns eine
selbstverständliche Haltung: Wir glauben, dass das Recht auf Leben nicht an der
Grenze endet, nicht beim Geschlecht aufhört und nicht von der Brieftasche abhängen
darf. Jede Frau, die an einer vermeidbaren Komplikation stirbt, ist nicht Statistik. Sie
ist Ebenbild Gottes, imago Dei.
Mutternacht 2026: Afghanistan im Fokus
Die diesjährige Mutternacht widmet sich der Situation von Frauen in Afghanistan,
einem Land mit besonders hoher Müttersterblichkeit, in dem politische Restriktionen
und fehlende Gesundheitsversorgung täglich Leben kosten. Besonders der
Ausschluss von Frauen aus Gesundheitsberufen verschärft die Lage dramatisch.
Im Zentrum des Abends steht der Dokumentarfilm „Die letzte Botschafterin“ von
Natalie Halla über Manizha Bakhtari, die afghanische Botschafterin in Österreich. Sie
vertritt ein Land ohne anerkannte Regierung und ist zugleich eine der wichtigsten
internationalen Stimmen für die Rechte afghanischer Frauen und Mädchen. Ein Film
über Beharrlichkeit. Über Stimme behalten, wenn alles schweigen soll.
Im Anschluss diskutieren Botschafterin Bakhtari und Regisseurin Natalie Halla über
die humanitären und strukturellen Herausforderungen. Die Moderation übernimmt
Petra Bayr, Mitbegründerin der Plattform Mutternacht.
Zur Veranstaltung
Wann: Samstag, 9. Mai 2026, 17:00 Uhr
Wo: CineCenter Wien, Fleischmarkt 6, 1010 Wien
Programm: Film „Die letzte Botschafterin“ + Diskussion
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