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Geschichte

Wir machen uns stark für Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Was sind wir Heutigen anderes als Zwerginnen auf den Schultern von Riesinnen? Auch die katholische Frauenbewegung ist eine gewachsene Organisation, die seit ihrer Gründung 1947 viele Stationen durchlaufen hat. Als sie begann, war der zweite Weltkrieg gerade zu Ende. Österreich lag in Trümmern. Doch katholische Frauen in allen Diözesen haben die Ärmer hochgekrempelt und beim Aufbau neuer, moderner Strukturen mitgemischt. Lesen Sie hier, wer sie waren und was sie dachten und taten.

Die großen Frauen der Katholischen Frauenbewegung

Dr.in Berta Wolf

„Gehilfin, Ergänzung ist sie, die zweite Hälfte des Menschen, ohne sie gibt es keine Vollendung. Wenn der Mann die Krone der Schöpfung ist, so ist die Frau die Krone des Mannes.“

An der Wiege der Katholischen Frauenbewegung Österreichs standen viele engagierte Frauen, die sich noch stark als Nachfolgeorganisation der „alten“ katholischen Frauenbewegung, der 1906 gegründeten „Kirchlichen Frauenarbeit“ (KFO), verstanden. Sie wurde noch stark von Seelsorgern geprägt. Ihr Ziel war es, über Frauen christliche Erziehung, Werte und stabile Ehen zu fördern. 1938 wurde sie aufgelöst und 1945 neu organisiert. Die erste Vorsitzende der Katholischen Frauenorganisation Österreichs war Dr.in Berta Wolf. Sie sah den höchsten Sinn katholische Frauenarbeit in der Unterstützung der Priesterschaft und als „Gehilfin“ des Mannes in Familie und Gesellschaft.

Prof.in Herta Pammer

„Bildung ist wichtig. Plaudern brauchen wir nicht. Soll schon etwas Ernstes werden.“

Blick über den Kirchenzaun 

Die Nachfolgerin von Dr.in Berta Wolf, Prof.in Herta Pammer – von 1957 bis 1978 kfbö-Vorsitzende – vertrat bereits ein wesentlich emanzipierteres Frauenbild. Zielstrebig und selbstbewusst leitete sie die kfbö, sah im Frauenseelsorger, dem sogenannten geistlichen Assistenten, einen Ratgeber, entschied aber letztlich meist eigenständig. Pammer suchte den Dialog mit der Bischofskonferenz, scheute aber auch nicht die Konfrontation. Sie setzte sich für eine vielseitige Weiterbildung der Frauen durch die kfb ein und prägte die österreichische Entwicklungsförderung. Mit der Gründung der Aktion Familienfasttag im Jahr 1958 animierte Pammer die kfb-Mitglieder über den eigenen Kirchenzaun zu schauen, sich mit der Situation der Frauen in aller Welt auseinanderzusetzen.

Dr.in Inge Loidl

„Das war eine wichtige Entwicklung in der kfb, dass die Frauen erkannt haben, sie selbst sind Kirche.“

Offen für vielfältige Aktivitäten

„Der Aufruf zum Teilen, zur weltweiten Solidarität hat die kfb grundlegend geändert“, erinnert sich Dr. Inge Loidl, die von 1978 bis 1987 die Geschicke der kfbö leitete. „Die Frauen gewinnen damals wie heute durch die begleitenden Bildungsmaßnahmen nicht nur an Wissen, sondern auch an Verantwortung. Denn jede Gruppe wird ermuntert, diese Aktion zu unterstützen. Da wird nicht nur Kreativität verlangt, sondern auch die Selbständigkeit gefördert.“

Neben der Entwicklungsförderung gibt es aber eine Fülle von Aktivitäten der kfb-Gruppen in den Pfarren. Dr.in Inge Loidl setzte sich energisch bei unzähligen Pfarrbesuchen dafür ein, dass die Frauen selbst ihr Gruppenprogramm bestimmen sollten und nicht der Pfarrer. „Das war eine wichtige Entwicklung in der kfb, dass die Frauen erkannt haben, sie selbst sind Kirche. Die kfb hat hier eine wichtige Bildungsarbeit geleistet.“
Der Erfolg der kfb beruht nach Ansicht der ehemaligen Vorsitzenden darauf, „dass sie so offen ist. Während die einen in ihrer Gruppe Erziehungsprobleme diskutieren, konzentrieren sich andere auf Liturgiegestaltung, informieren sich über gesunde Lebensformen, turnen, feiern, wandern miteinander.“

Politisch, aber unabhängig von Parteien
Dr.in Inge Loidl unterstreicht vor allem auch die parteipolitische Unabhängigkeit: „Wir haben nie gesagt, diese oder jene Partei soll eine Frau wählen, sondern stets: ‚Geht zur Wahl!‘ Jede Frau soll die Programme der einzelnen Parteien studieren und selbst entscheiden. Wichtig war uns nur, dass sie sich dabei von niemand – auch nicht vom Mann – beeinflussen lässt.“

Ingrid Klein

„Die kfbö muss stets Botschafterin des Evangeliums und Anwältin der Menschen, vor allem der Frauen, sein. Sie muss sich stets sorgen um eine Balance zwischen Hände falten und Mund aufmachen, denn Gottes-Dienst und politisches Engagement sind in gleicher Intensität und gegenseitiger Befruchtung zu leisten.“

Fraueneinheitsbild aufbrechen

Loidls Nachfolgerin, Ingrid Klein, von 1987 bis 1999 kfbö-Vorsitzende, wurde nicht müde, das vorherrschende traditionelle, viele Frauen belastende, kirchlich oft auch noch marianisch überhöhte Fraueneinheitsbild aufzubrechen. Sie setzte sich dafür ein, dass in den kfb-Gruppen Frauen mit unterschiedlichsten Biografien und in verschiedenen Lebenssituationen respektiert und die Vielfalt der Lebensformen in ihrem Reichtum, aber auch in ihren Fragen und Schwierigkeiten ernst genommen werden. Die unter ihrer Leitung im Rahmen eines Basisdiskussionsprozesse neu formulierten Leitlinien der kfbö sind Ausdruck dieser gelebten Vielfalt und des Engagements der kfb-Frauen in Kirche und Gesellschaft.

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Margit Hauft

„Wenn es gelingt, aus der Sammelbewegung der Gründerzeit über die Phase des extremen pfarrlichen Engagements zu einer noch spürbaren Bewegung für die Frau – für die Kirche – für die Gesellschaft zu werden, dann ist mir um den Fortbestand der kfb nicht bange.“

Von der Helferin zur Partnerin

Margit Hauft, von 2000-2012 Vorsitzende der kfbö, rief angesichts der Jahrtausendwende zur Besinnung auf die Wurzeln der kfb, zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auf. Sie appellierte an die kfb-Frauen, das Gestern zu erkennen, das Heute zu sehen und das Morgen zu gestalten. Ihr war bewusst, dass die Wirksamkeit des schon jetzt großflächigen Engagements der Frauen in der Kirche weitgehend davon abhängen wird, „ob es gelingt, vom Helferin sein zu einer respektierten Partnerschaftlichkeit zu gelangen“. Denn das Ziel der kfb ist und bleibt eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Teilhabe der Frauen am Leben der Kirche und der Gesellschaft.

Margit Hauft ließ nie Zweifel aufkommen, dass die Katholische Frauenbewegung selbstbewusster Teil der Kirche und nicht unbegrenzt einsetzbare Hilfstruppe des Pfarrers und der Pfarrgemeinde ist. Die Mitglieder der kfb wollen als getaufte und gefirmte Christinnen das Leben in der Kirche gestalten und als Partnerinnen ernst genommen werden. Diese Emanzipation der Frauen in der Kirche ist ein mühsamer und langwieriger Prozess, der noch nicht beendet ist.

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Barbara Haas

„Wichtig ist, dass sich eine Katholische Frauenbewegung in Beziehung zur Gesellschaft setzt und definiert, zu Menschen unterschiedlichster Herkunft, Milieus, Religionen, Traditionen und Lebensweisen. Ein ´Wir´ gibt es nicht in Abgrenzung. Ein ´Wir´ gibt es nur in Beziehung.“

Auf dem Weg zum neuen Wir

Barbara Haas, Vorsitzende der kfbö von 2012 – 2015, hat ihr Engagement für die Katholische Frauenbewegung in der Aktion Familienfasttag der Diözese Innsbruck begonnen. Ihre Zeit als Vorsitzende war begleitet vom kfb-Bildungsschwerpunkt „Heute Christin sein“ – eine besondere Herausforderung für Haas angesichts der Tatsache, dass Glauben nicht mehr als etwas „Vererbtes“ gelten kann, vielmehr als „bewusste Entscheidung“ entwickelt werden will. Fundament ihres Verständnisses davon, was kfb ist und sein soll, war für Barbara Haas unter anderem die These der holländischen Dogmatikerin Manuela Kalsky von der Notwendigkeit eines neuen „Wir“ für die Kirche, das nur in Beziehung zur Gesellschaft, nicht in Abgrenzung von ihr möglich wird. Für Barbara Haas bedeutete das intensive Vernetzungsarbeit und den Anspruch, sich als Katholische Frauenbewegung aktiv und kontinuierlich in die öffentliche Debatte um die Fragen der Zeit einzubringen. „Frieden und Gerechtigkeit, eine gerechte Verteilung von Mitteln und Lebenschancen sind das Gebot der Stunde. Ob es um die Organisation der Sorgearbeit in Österreich oder die Arbeitsbedingungen und Löhne von Textilarbeiterinnen in Indien geht: es braucht eine Kultur der Solidarität“.

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Veronika Pernsteiner

„Bildung ist wichtig. Plaudern brauchen wir nicht. Soll schon etwas Ernstes werden.“

Entwicklungs- und gesellschaftspolitisches Engagement im Fokus

In ihre Vorsitz-Perioden von 2015 bis 2020 fiel das 70 Jahr-Jubiläum der kfbö (2017) und das 60 Jahr-Jubiläum (2018) der Aktion Familienfasttag. Veronika Pernsteiner legte großes Gewicht auf das entwicklungspolitische und gesellschaftspolitische Engagement der Katholischen Frauenbewegung – gespeist aus dem Grundauftrag des Evangeliums. Zentrale Themen waren Gewaltprävention, Gendergerechtigkeit, Demokratieentwicklung, Care-Gerechtigkeit, Fragen der globalen Solidarität und Entwicklungszusammenarbeit, Flucht und Migration sowie Frauen in kirchlichen Leitungsstrukturen. Im Zuge des Jahresthemas „einmischen.mitmischen.aufmischen“ wurden Möglichkeiten des solidarischen Einsatzes für Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung erarbeitet und Handlungsoptionen für den Alltag entwickelt.

Auch die kirchenpolitische Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann wurde von Veronika Pernsteiner regelmäßig eingefordert. Dazu beteiligte sich die kfbö auch an einer internationalen Pilgerreise nach Rom für eine „Kirche mit den Frauen“. Die regelmäßigen österreichweiten kfb-Frauenreisen, die unter ihrer Vorgängerin mit einer Reise auf den Spuren der Hl. Katharina v. Siena (Wegbegleiterin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs) gestartet worden waren, wurden mit einer Reise auf den Spuren der politischen evangelischen Theologin Dorothee Sölle nach Köln sowie einer Reise auf den Spuren von Hildegard Burjan, Gründerin der Caritas Socialis und eine der ersten österreichischen Parlamentarierinnen, nach Görlitz und Dresden fortgesetzt. Der interkulturelle und der interreligiöse Dialog der kfbö, der Einsatz für Geflüchtete sowie die Vernetzung der kfbö auf Europa-Ebene – über Andante, die Europäische Allianz katholischer Frauenverbände – sowie im deutschsprachigen Raum waren Veronika Pernsteiner ein großes Anliegen.

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Angelika Ritter-Grepl

„Das war eine wichtige Entwicklung in der kfb, dass die Frauen erkannt haben, sie selbst sind Kirche.“

Angelika Ritter-Grepl übernahm 2020 den Vorsitz der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie studierte Kritische Geschlechter- und Sozialforschung. Ihr Zugang ist daher klar feministisch, gesellschaftspolitisch und organisationsentwicklerisch geprägt. Ihre Vorsitzperiode steht für eine starke kirchenpolitische Präsenz, eine umfassende Reorganisation der kfbö sowie eine intensive Beteiligung am weltweiten synodalen Prozess. Die kfbö baute unter ihrer Leitung systematisch ihre Rolle im kirchlichen Reformprozess aus.

Mehr Frauen, mehr Macht, mehr Einfluss

In Österreich setzte sie Meilensteine durch die Gründung des Gesprächskreises „Dialog mit Bischöfen“ gemeinsam mit Bischof Wilhelm Krautwaschl. Damit etablierte sie ein dauerhaftes Forum, in dem Themen wie Frauen in kirchlichen Leitungspositionen und Fragen der Machtverteilung in der Kirche diskutiert werden.

Angelika Ritter-Grepl stärkte mit der Wiederaufnahme der kfbö als Vollmitglied bei WUCWO (2024) die internationale Stimme der kfbö deutlich. Arbeitsgespräche im Vatikan sowie eine Papstaudienz im Zuge der WUCWO-Vollversammlung in Assisi ermöglichten, Kontakte in den Vatikan auf- und auszubauen. Angestoßen von Angelika Ritter-Grepl beteiligt sich die kfbö mit regelmäßigen Beiträgen am synodalen Prozess. 

Von Grund auf erneuert

Einen weiteren Schwerpunkt ihrer Amtszeit setzt Angelika Ritter-Grepl auf die strukturelle und operative Modernisierung der Katholischen Frauenbewegung. Denn ein stabiles Gebäude, das zukünftige Stürme überdauern möchte, braucht ein tragfähiges Fundament. Die Straffung der Gremien und Neuordnung der Arbeitsabläufe im operativen Bereich, die Erarbeitung eines neuen Statuts für den Trägerverein und grundlegende Überprüfung der Strukturen, der Aufbau neuer Kommunikations- und Medienarbeitsprozesse sowie die Finanzierung einer theologischen Referentin aus Eigenmitteln, um die synodalen und geistlichen Prozesse fachlich fundiert begleiten zu können, führen die kfbö gerüstet in die Zukunft.

Von 1947 bis heute. Eine Bewegung wächst.

Kirchliche Frauenarbeit wurde über Jahrzehnte von den Frauenseelsorgern geprägt. Die Priester wollten über die Frauen eine christliche Erziehung der Kinder erreichen, christliche Werte stärken, den Verfall der Sittlichkeit entgegenwirken und die Ehen stabilisieren. Mit diesem Ziel wurde bereits 1906 in Österreich die Katholische Frauenorganisation (KFO) initiiert, deren Schwerpunkt vor allem im caritativen Engagement und in der Aus- und Weiterbildung von Frauen lag. 1938 wurde diese Organisation von Hitler aufgelöst. Die Referate für „Frauenseelsorge“ in verschiedenen Diözesen versuchten unmittelbar nach Kriegsende die kirchliche Frauenarbeit neu zu organisieren

1947

Schlagkräftiges Instrument

1947 wurde die Katholische Frauenbewegung bei einer gesamtösterreichischen Tagung von Verantwortlichen der Frauenarbeit aus den Diözesen am Fest Christi Himmelfahrt im Wallfahrtsort Maria Plain bei Salzburg gegründet.

1948

Gründung des "Vereins Katholisches Frauenwerk in Österreich" (KFWÖ) in Salzburg als Rechtsträger aller gesamtösterreichischen Aktivitäten
Erste gesamtösterreichische Sommerstudientagung am Dürnberg: "Die religiöse Gegenwartslage und die Aufgaben der Frau in Familie, Beruf und öffentlichem Leben"

1949

Erste gesamtösterreichische Frauenwallfahrt nach Mariazell

"Die religiöse Gegenwartslage und die Aufgaben der Frau in Familie, Beruf und öffentlichem Leben"

1952

Delegiertentagung der kfbö am Vortag des Katholikentages in Wien
Resolutionen zu Familie, Beruf, Bildung und Würde der Frau
Gründung der Zeitschrift "Führungsblatt" zur Weiterbildung der Mitarbeiterinnen

1954

Außerordentliche Vollversammlung beschließt Leitfaden als Grundlage der Arbeit in der kfb

1957

Milieumäßige Spezialisierung durch Bildung von Arbeitskreisen für bäuerliche, industrielle und städtische Welt